| Weil die Stadt eingespartes Geld nicht für den Schulversuch
einsetzen dürfe, müsse es dem Schulhaushalt wieder
zurückgegeben werden. Sie
war einer der massivstenKritiker des vom Land NRW
geplanten Schulversuches "Selbstständige Schule",
die Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW). Somit war es kein Wunder, dass ihr Vorsitzender
Norbert Müller gestern vor der Presse von einer "Steilvorlage"
für die bekannte GEW-Kritik sprach, mit der die Düsseldorfer
Bezirksregierung jetzt der Stadt Duisburg in die Parade
gefahren ist. Das Risiko
der anvisierten Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den
Duisburger Schulen (solche, die am Schulversuch mitmachen
und vermeintlich viel Zuschüsse bekommen und solche,
die nicht mitmachen und ohne Zuschüsse pädagogische
Arbeit machen) ist nach Worten von Müller jetzt beseitigt
- zur billigen Variante hin. Mit Tricks, Druck und
viel Geld, das im allgemeinen Schulhaushalt eingespart
worden sei, so Müller, seien gerade mal zehn Prozent
der 200 Duisburger Schulen zur Teilnahme am Schulversuch
gebracht worden. Dieses Konstrukt sei jetzt zusammengebrochen
und Schuldezernent Gerd Bildau habe seinen Ruf als
jemand, dem man trauen könne, in allen Schulen ruiniert. Mehrheit hat der Verlockung
widerstanden Die für den Schulversuch im
aktuellen Haushalt zusammengesparten 500 000 Euro
("Nicht gekaufte Bücher, unterlassene Reparaturen
etc.") forderte der GEW-Vorsitzende für die Schulen
wieder zurück. Den Schulleitern
machte Müller den Vorwurf, sich nicht wegen pädagogischer
Arbeit sondern nur wegen eines Haufen Geldes für die
Teilnahme am Schulversuch interessiert zu haben. Die
absolute Mehrheit der Schulen indes hätte diesen Verlockungen
widerstanden. Müller: "Und das waren nicht die Unengagierten
in dieser Stadt." Wenn Regierungspräsident Büssow
jetzt auf die 23 Schulleiter einwirken wolle, damit
sie im Schulversuch bleiben, werfe dies ein bezeichnendes
Licht auf sein Verständnis von selbstständiger Schule.
Müller: "Es entscheidet die Schulkonferenz selbstständig
und eben nicht ein Schulleiter über Ausstieg oder
Teilnahme." Den Schulversuch
an sich bezeichnete Müller als einen ersten, gefährlichen
Schritt "zum Verkauf der öffentlichen Schulen" an
die private Wirtschaft (Bertelsmann-Stiftung). Bildung
solle damit künftig "marktfähig gemacht werden, ohne
weitere Mitsprache des Staates." (sten)
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