Modellvorhaben: Kritik aus allen Richtungen
Das nur von einer verschwindend geringen Minderheit von Schulen (237 in ganz NRW) für prüfwürdig erachtete Modellvorhaben kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Nicht nur, dass Schulministerium und der städtische Dezernent Bildau die vor einem Jahr getroffenen Entscheidungen der Schulmitwirkungsgremien in Duisburg gegen eine Teilnahme an dem umstrittenen "Projekt" offenbar gering schätzen, wenn sie erneut Anläufe unternehmen, Schulen weiterhin entgegen allen seinerzeit gültigen Teilnahmeregeln in eine verspätete Teilnahme hinein zu treiben. Auch die Gewerkschaft ver.di hat sich mittlerweile höchst kritisch zu dem Modellvorhaben geäußert (S. Flugblatt "Selbstständige Schule - Ein fragwürdiges Modell"). Von "aus personalvertretungsrechtlicher Sicht erheblichen Bedenken gegen das geplante Vorhaben" und "Privatisierung durch die Hintertür?" ist dort die Rede.
Der von dem Artikel mit der ironischen Überschrift "Lehrer, ein Titanengeschlecht" her bekannte Peter Brenner hat sich dem als Vorgänger-Projekt bezeichneten Unternehmen "Schule & Co" angenommen, welches bekanntlich ebenfalls von der Bertelsmann-Stiftung initiiert und durchgeführt wurde. Entgegen den aus den eigenen Reihen angestimmten Jubelarien von Rolff & Co. kommt Brenner in seinem Gutachten zum Projekt Schule und Co. in Nordrhein-Westfalen zu ziemlich entgegengesetzten Ergebnissen.
Dies war sogar der FAZ am 6. 12. 2002 einen Artikel (Viel Aufwand und wenig Wirkung) wert. "Die Vorstellungen von einer selbstständigen Schule stehen auf tönernen Füßen" steht dort im Untertitel. Prof. Peter Brenner hat übrigens auch in anderen Artikeln eine erfrischend eigenständige Position zu gängigen neoliberalen Verheißungen formuliert, so z. B. in "Die Mär vom erfolgreichen Rektor".
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat sich in einem Artikel ebenfalls grundsätzlich zum Thema "Selbstständige Schule" geäußert. In "Die Fiktion von der selbstständigen Schule" wird an prinzipielle und pragmatische Bedenken erinnert.
In der Summe lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt besser denn je feststellen und begründet behaupten, dass eine wirkliche Verbesserung der unterrichtlichen Qualität notwendigerweise eine Abkehr von derartigen Modellvorhaben bedeutet und statt dessen vor allen anderen Überlegungen zunächst einmal eine spürbare Verbesserung der schulischen Arbeitsbedingungen notwendig ist. Die ersten Schritte hierzu sind aus gewerkschaftlicher Sicht alt bekannt: Verringerung der Arbeitszeit und kleinere Klassen. Beides würde Lehrerinnen und Lehrer endlich in die Lage versetzen, sich intensiver um die Kinder und Jugendlichen zu kümmern und dazu beitragen, dass deren Schulerfolg und Erziehung gedeihen könnten.
Schulentwicklung in die positive Richtung ließe sich auch erreichen, wenn die mit dem Schulentwicklungsgesetz einher gegangene Beschneidung der Mitbestimmung wieder zurück genommen würde. Hier ist so einiges in die völlig falsche Richtung gelaufen. Hoffentlich hat die neue Schulministerin Ute Schäfer derartige Dinge in der Planung. Ansonsten wäre es nicht verwunderlich, wenn es ihr mal wie Gabriele Behler ergehen würde - beim Abgang, dem im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Anke Brunn partous keine Träne folgen will.
P.S. Ach ja, da ist ja schließlich noch der "Kooperationspartner": Auch hier reichlich schlechte Presse - Personalkarussell und Stühlerücken im Vorstand, Neuausrichtung, schlechter gehende Geschäfte - und dann diese "Unabhängige Historische Kommission" unter dem renommierten Historiker Saul Friedländer mit ihrem Abschlussbericht über die Tätigkeit von Bertelsmann im "III. Reich". Von wegen Widerstand und so. (Siehe dazu auch Konkret-Artikel: Volkstreues Lesefutter).
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